EC der Landesmeister - weitere Begegnungen hier:

 1. Runde  1984/85

aberdeen fc logo Aberdeen Football Club
1881 gegründet als Aberdeen FC, 1903 Fusion mit Orion Aberdeen und 1903 Fusion mit Orion Aberdeen und Victoria United Aberdeen

Farben: Rot-Weiß    
Stadion: Pittodrie Stadion   24 000 Zuschauer

Meister:  1955, 1980, 1984
Pokalsieger:  1947, 1970, 1982, 1983, 1984

Ligacup:   1956, 1977

EC der Pokalsieger:   1983

Europäischer Supercup:   1983

Teilnahme EC der Landesmeister:  1980/81, 1984/85

Teilnahme EC der Pokalsieger:   1967/68, 1970/71, 1978/79, 1982/83, 1983/84

Teilnahme UEFA Cup:   6 Teilnahmen (1971/72 - 1981/82)
1. Runde  19.09.1984 in Aberdeen
FC Aberdeen - Berliner FC Dynamo  2:1 (1:0)
Zuschauer: 24 000 im Pittodrie Stadion
Referee: van Langenhove (Belgien)
Linesman: Gernay, Goethals (Belgien)
Tore: 1:0 Black (34.)  2:0 Black (68.)  2:1 Schulz (83.)
FC Aberdeen  Trainer: Ferguson
Leighton - Miller - McKimmie, McLeish, McQueen - Stark, Bell (88. Simpson), Cooper, Angus -  Black,
Hewitt (64. Falconer)
BFC Dynamo  Trainer: Bogs
Rudwaleit - Trieloff - Ksienzyk, Troppa, Maek ( Gelb ), Backs ( Gelb ) - Rohde, Schulz, Pastor (78. Grether) -
Ernst (73. Terletzki), Thom
1. Runde  03.10.1984 in Berlin
Berliner FC Dynamo - FC Aberdeen  2:1 (0:0) n.V., 5:4 n. Es.
Zuschauer: 25 000 im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark
Referee: Agnolin (Italien)
Linesman: Sgizzato, Ongaro (Italien)
Tore: 1:0 Thom (49.)  1:1 Angus (68.)  2:1 Ernst (84.)
Es.: 0:1 Porteus, 1:1 Ernst, 1:2 McQueen, 2:2 Rohde, 2:3, Schulz- Latte, 2:4 Stark, 3:4 Troppa, Miller- Rudwaleit hält,
4:4 Terletzki, Black- Rudwaleit hält, 5:4 Trieloff
BFC Dynamo  Trainer: Bogs
Rudwaleit - Trieloff - Ksienzyk, Maek - Backs (113. Grether), Rohde, Troppa, Schulz - Pastor (86. Terletzki), Ernst, Thom
FC Aberdeen  Trainer: Ferguson
Leighton - Miller - McKimmie, McLeish, McQueen - Stark, Cooper, Simpson, Angus (101. Porteus) - Black ( Gelb ),
Falconer (61. Hewitt)
 
HINSPIEL:
Wohl noch nie zuvor hatten BFC-Cupergebnisse vergangener Jahresolchen Einfluß auf das Denken und Handeln des aktuellen Kontrahenten wie in diesen Tagen. In den Vorschau-Kommentaren der schottischen Medien wurde immer wieder auf die 1:0-Auswärtserfolge der Berliner bei Nottingham Forest (1979/80) und Aston Villa (1981/82) hingewiesen.
Auch in der Meinung von Aberdeen-Manager Alex Ferguson, seit zwei Wochen Co-Trainer der Nationalmannschaft, widerspiegelten sich die Gedanken. "Wenn wir nicht mit der gebotenen Vorsicht operieren, können wir gegen Dynamo sehr leicht in große Schwierigkeiten kommen", lautete sein Kommentar gegenüber dem Radio-Reporter von BBC-Aberdeen am Tag vor dem Match.
In den ersten zwanzig Minuten, als der Vorjahrs-Europapokalsieger nicht gleich entfesselt stürmte, sondern überlegt und mit höchstem Respekt zu Werke ging, war diese Mahnung am deutlichsten zu spüren. Natürlich suchten die "Dons" im vollbesetzten Pittodrie-Stadion schwungvoll die Offensive, hatte die BFC-Abwehr gerade in der ersten halben Stunde manch heikle Situation zu überstehen, eingeschnürt im eigenen Strafraum aber wurde der DDR-Meister keinesfalls. Zu groß war die Angst der Schotten vor einem schnellen Konter a la Riediger im City-Ground von Nottingham. Das der Gegentreffer währen des später einsetzenden Dauerdruck dennoch "kam", spricht ganz für die Dynamos, für ihre intakte Kampfmoral und von ihren festen Willen, das so wichtige Auswärtstor gegen einen so renommierten Spielpartner unbedingt zu makieren.
"Ich war unbedrängt und zielte auf die lange Ecke. Leighton war da ohne Chance", schilderte der glückliche Bernd Schulz nach dem 1:2 die Szene, die plötzlich alle Hoffnungen auf ein Weiterkommen erneut aufkeimen ließen.
In den ersten zwanzig Minuten, als der Vorjahrs-Europapokalsieger nicht gleich entfesselt stürmte, sondern überlegt und mit höchstem Respekt zu Werke ging, war diese Mahnung am deutlichsten zu spüren. Natürlich suchten die "Dons" im vollbesetzten Pittodrie-Stadion schwungvoll die Offensive, hatte die BFC-Abwehr gerade in der ersten halben Stunde manch heikle Situation zu überstehen, eingeschnürt im eigenen Strafraum aber wurde der DDR-Meister keinesfalls. Zu groß war die Angst der Schotten vor einem schnellen Konter a la Riediger im City-Ground von Nottingham. Das der Gegentreffer währen des später einsetzenden Dauerdruck dennoch "kam", spricht ganz für die Dynamos, für ihre intakte Kampfmoral und von ihren festen Willen, das so wichtige Auswärtstor gegen einen so renommierten Spielpartner unbedingt zu makieren.
Mit Schweigen und Staunen nahm der Aberdeener Anhang, der in 27 Cup-Heimpartien erst 18 Gegentreffer (zwölfmal "zu Null"-Ergebnisse) gesehen hat, das Schulz-Kopfballtor zur Kenntnis. So groß der Jubel im Dynamo-Lager über dieses wichtige Tor war und auch die Zufridenheit, sich trotz der blitzsauberen Kopfball-Gegentreffer vom Black (EC-Debütant Maek hatte es es schwer gegen ihn) annehmbar aus der Affäre gezogen zu haben, die Kritik von Trainer Jürgen Bogs war deutlich.
Um wieviel schwerer hätte man es dem dreifachen schottischen Titelträger nämlich machen können, wäre Ruhe und Übersicht, Ballkontrolle und -scherheit vor allem in der spielgestaltenden Zone stärker zum Tragen gekommen. Abspielfehler über das normale Maß hinaus (Ernst, Schulz, zuweilen auch Rohde), klare Nachteile im Zweikampfverhalten (vor allem Pastor) erleichterten dem Wiedersacher immer wieder den schnellen Vorwärtsdrang mit präzisen Paßfolgen und gefährlichen Eingaben, eröffneten Räumen und Möglichkeiten.
Schon in der zweiten Minute hatte Stark (enormer Aktionsradius) ein Blitztor vor den Füßen: Hewitts Schuss prallt vom linken Pfosten ins Feld zurück (10.), Sekunden später rettet Kapitän Rudwaleit "im Nachfassen". Nach 34 Minuten ist Black mit einem Kopfball erfolgreich. Kurz vor dem Gang in die Kabinen setzte wiederum Black einen weiteren Kopfball an die Latte!
Zum Glück für die Dynamos änderte auch der vehmente Schlußspurt der Schotten (Kopfbälle McLeish/86. und Falconer/90.) nichts mehr am Resultat.
Vor ihrem starken Finish aber lag die Phase, in der der BFC seine Potenzen andeutete. Troppas 20-Meter-Gewaltschuß den Leighton mit Mühe um den Pfosten lenken (65.), aAuch Backs (79.), Rohde (80.) und Grether - ihm wäre beinahe ein Abstauber-Tor gelungen - hatten die besten Gelegenheiten. Insgesamt aber lief im BFC-Angriff zu wenig zusammen, um das exzellente Stopper-Tandem Miller/McLeish in größere Verlegenheit zu bringen. Einzig der junge Thom bot vorn eine beherzte Partie, weil er aus der schnellen Bewegung spielte, was auch die besondere Anerkennung von Alex Ferguson fand. Doch blieb der Außenstürmer zu oft auf sich allein gestellt.
Alex Ferguson, Trainer des FC Aberdeen: "Die Meinung, die ich mir bei meiner Spielbeobachtung in Berlin über den DDR-Meister gebildet hatte, bestätigte sich beim Hinspiel in Aberdeen. Obwohl meine Mannschaft ihr mit Abstand bestes Spiel dieser Saison lieferte, sprang nur ein knapper Sieg heraus. Ich verhehle nicht, daß ich über das Gegentor durch Schulz kurz vor Schluß nicht sehr erbaut bin. Damit veränderte sich erheblich die Konstellation für das Rückspiel in Berlin, in das wir unbedingt mit einem zu-Null-Ergebnis gehen wollten. So aber ist alles noch völlig offen. Ich setze dennoch auf die Widerstandskraft, auf die Cleverneß und internationale Reife meiner Elf, die auch in fremder Umgebung stets für ein Tor gut ist. Das hat sie in den vergangenen EC-Wettbewerben schon mehrfach nachdrücklich unter Beweis gestellt.
Wir orientieren uns keineswegs auf ein 0:0. Dieses Risiko können wir angesichts der Klasse des BFC Dynamo einfach nicht eingehen. Wir werden ebenfalls auf Sieg spielen, denn wir haben auch in diesem Jahr große EC-Pläne."

RÜCKSPIEL:
Einen kurzen Flirt mit dem EC '84/85 hatten die Berliner nicht im Sinn. Dafür ist der Meister-Cup eine zu große Verlockung. Ihr gegenüber geht man nicht teilnahmlos auf Distanz. Nach dem 1:2 von Aberdeen war der BFC um seine Aufgabe zwar nicht zu beneiden, um so vertrauenserweckender wirkte sein Stil - zunächst gezähmtes Risiko, vornehmlich in den ersten 45 Minuten, dann weg von der Skepsis und hin zu jenem Mut, der leidenschaftlich auf den Angriffsgeist setzte.
Erster Erfolgsfaktor der Bogs-Elf: Koordinierte Anstrengungen!
Eigene gute Zeiten beruhen auf Resultaten und Leistungen. Deshalb mußte sich der BFC auch von oberflächlichem, halbherzigem Fußball um der eigenen Glaubwürdigkeit abnabeln. Die unguten Erinnerungen an EC-Heimspiele (Nottingham, Ostrava, Aston Villa, HSV) diffiziler Art konnten nur durch einen eigenen Vertrauensbeweis getilgt werden, nämlich eine EC-Pokalsiegergröße wie die "Dons" zu eliminieren.
Den Begriff Schwierigkeit negierten die Berliner total. Sie hatten aus Erfahrungen gelenrtn, nichts zu überstürzen, nichts dem Zufall zu überlassen.
Zweiter Erfolgsfaktor des BFC: Psychische Fitneß!
Neben der bemerkenswerten Fairneß imponierte die Fähigkeit in beiden Mannschaften, kontrolliert zu kämpfen und noch glaubhafter zu spielen, mit einer gedanklichen Frische, als wäre nichts einfacher, als eine eben geborene Idee mühelos zu realisieren. Natürlich waren die Mittel unterschiedlich (über das "Pärchen Maek-Black ließe sich eine ganze Studie schreiben!), aber auch individuelle Leistungsschwankungen stachen ins Auge, aber die faszinierende Unberechenbarkeit dieses EC-Spiels bestand gerade darin, daß aus dem Teamwork heraus urplötzlich individuelle "Ausbrüche" von Klasse kamen.
"Überragend spielten Ernst, Rohde und Thom", anerkannte Jürgen Bogs die Unaufhörlichkeit, die Eindringlichkeit ihres Engaegements. Dem fügte ein deprimierter Alex Ferguson ein bemerkenswertes Eingeständnis hinzu: "Selbstverständlich hatte wir eine stärkere Heimleistung des BFC Dynamo als in Aberdeen erwartet. Während die Berliner widerstandsfähig und entschlossen bis zum letzten Elfmeter blieben, mangelte es uns am energischen Fight im gegnerischen Strafraum."
Die größten Szenen besaß Ernst. Er verunsicherte die Schotten am meisten. Ganz folgerichtig erzielten der "lange Blonde" und der quicklebendige Thom jene Tore, die das Prinzip Hoffnung bis in die Verlängerung und in das Elfmeterschießen hinüber nahmen.
Dritter Erfolgsfaktor der Berliner: Induviduelles Durchsetzungsvermögen!
Zumeist regieren in EC-Verlängerungen die eiskalten Taktiker. Nicht so im Jahn-Sportpark.
Dramatischer Szenenwechsel blieb dominierend (aberkanntes Ernst-Tor wegen Torwartbehindernung/92; Lattenschlenzer Miller/102; torverheißende Distanzschüsse von Ernst/117. und Black/119.). Weder der BFC noch Aberdeen betrachteten das Elfmterschießen als ultima ratio, als letzten Ausweg. Erspart wurde er ihnen dennoch nicht....
Vierter und ausschlaggebender Erfolgsfaktor: Leistungsbewußtsein und Siegqualitäten!
Im Elfmeterschießen schienen die Schotten das Spiel zu entscheiden.
19.28 Uhr, als Schulz das Leder gegen die Latte setzte, schien der so strapaziös erspielt-erkämpfte 2:1-Sieg nichts mehr wert zu sein. Dann hält Rudwaleit die Schüsse von Miller und Black.
Troppa und Terletzki sorgen für den Ausgleich.
19.33 Uhr erlöste Trieloff - in einem ganzen Oberliga-Jahrzehnt stand er für seinen Klub nie am ominösen Punkt! - ein emotionalisiertes Stadion.
Genugtuung für den zweifachen Elfer-"Töter" Rudwaleit, Trauer bei den "Dons". "Ich weiß beim besten Willen nicht mehr, was danach um mich herum passierte", meinte der glückliche Schütze, der das Weiterkommen des BFC perfekt machte. Und Trieloff weiter: "Aufgeregt? Nein, das war ich nicht. Ich dachte nur eins: der Ball muß rein.
"
Und Bodo Rudwaleit konnte seine beiden Paraden in der Kabine immer noch nicht richtig kommentieren. "Was soll ich sagen? Zwei Bälle im richtigen Moment gehalten. Bei solchen Situationen gehört auch ein wenig Glück dazu."
aus der FUWO und diversen Büchern
Trieloff Trieloff
Leighton ohne Chance gegen Trieloff's Elfer Trieloff, der den entscheidenden "Elfer" verwandelte
Thom
Andreas Thom