EC der Landesmeister - weitere Begegnungen hier:

 Achtelfinale  1979/80

genf logo Servette Football Club - Servette ist ein Stadtteil von Genf
20.03.1890 gegründet 
 
Farben: Granatrot      
Stadion: Stade des Charmilles  30 000 Zuschauer

Meister: 1907, 1918, 1922, 1925, 1926, 1930, 1933, 1934, 1940, 1946, 1950, 1961, 1962, 1979
Pokalsieger:  1928, 1949, 1971, 1978, 1979
Ligacup:  1977, 1979
Teilnahme EC der Landesmeister: 1955/56, 1961/62, 1962/63, 1979/80
Teilnahme EC der Pokalsieger: 1966/67, 1971/72, 1976/77, 1978/79
Teilnahme UEFA Cup: 1974/75, 1977/78
Achtelfinale  24.10.1979 in Berlin
Berliner FC Dynamo - Servette Genf  2:1 (2:0)
Zuschauer: 25 000 im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark
Referee: Valentine (Schottland)
Linesman: Kellock, Duff (Schottland)
Tore: 1:0 Pelka (8.)  2:0 Netz (10.)  2:1 Cucinotta (65.)  
BFC Dynamo  Trainer: Bogs
Rudwaleit - Trieloff, Troppa - Ullrich - Noack - Sträßer, Terletzki, Jüngling - Riediger, Pelka, Netz
Servette Genf  Trainer: Pazmundy
Engel - Valentini, Seramondi, Coutaz, Bizzini - Schnyder, Barberis, Dutoit, Andrey - Cucinotta, Matthey
Achtelfinale  07.11.1979 in Genf
Servette Genf - Berliner FC Dynamo  2:2 (0:1)
Zuschauer: 20 000 im Stade des Charmilles
Referee: Jagusz (Polen)
Linesman: Kwiatkowski, Lazowski (Polen)
Tore: 0:1 Brillat (33.)  0:2 Terletzki (81.)  1:2  Hamberg (84.)  2:2 Barberis (90.)    
Servette Genf  Trainer: Pazmundy
Engel - Trinchero (57.Seramondi) - Valentini, Coutaz, Bizzini - Barberis, Schnyder, Andrey - Sarrasin (79. Dupuis), Hamberg, Cucinotta
BFC Dynamo  Trainer: Bogs
Rudwaleit - Trieloff - Jüngling, Troppa, Ullrich - Brillat, Sträßer (86. Ernst), Noack, Terletzki - Pelka, Netz
 
HINSPIEL:
Im Berliner Jahn-Sportpark sind die 25 000 begeistert, ein solch bedeutendes Spiel kann nicht besser beginnen: Nach zehn Minuten 2:0! Da liegt es nahe, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, in der sichtlich Verblüffung des Kontrahenten zu schweigen. Kaum war nämlich nach Troppas Finten, die Rechtsverteidiger Valentini versetzten, Pelkas Tor-Kopfball platziert im Netz gelandet, da spritzte Netz in einen von Tormann Engel mühevoll abgewehrten Terletzki-Freistoßball. Noch ehe der Beifall verklungen war, setze ein Anhänger unseres Meisters seine mitgebrachte Trompete an die Lippen - Signal zu Attacke!
Es schien, als würde der BFC hartnäckig dranbleiben. Ein Musterpaß des wiederum sehr einsatzvoll spielenden, mit Bizzini einen Verteidiger-Fuchs gegen sich habenden Riediger erreichte den in die Spitze stürmenden Noack. Dessen Alleingan, etwas zu sehr nach rechts verlagert, endete mit einem Schuß, den Engel parierte. Eine Großchance, das 3:0, war vergeben. Zweimal brachte sich dann noch Netz ins Gespräch, als er Engel zur Parade zwang, und als er beim Dribbling im Strafraum von Valentini strafstoßverdächtig zu Fall gebracht wurde.
Dennoch war unübersehbar: Der BFC-Ansturm verebbte allmählich. Das Signal zur Attacke verstummte viel zu früh, auch wenn nach dem Anschlusstreffer der Genfer aus dem Stadtteil Servette die Berliner wieder aufgeweckter in die Hälfte ihres Gegners stürmten. Die Ursachen sind zunächst bei unserem Meister selbst zu suchen.
Der pausierende Reinhard Lauck sah es so: “ Nach dem 2:0 steckten wir unverständlicherweise zurück. Das Anrucken später noch einmal zeigte die Diskrepanz, die Zeit, die dazwischen nutzlos verstrich, sehr deutlich. Im Mittelfeld fehlte das konsequente Nachsetzen, das Decken der Schweizer Mittelfeldspieler, über die zu vieles lief.”  
Jürgen BogsErklären konnte sich Trainer Jürgen Bogs das Zurückstecken seiner Elf, ja ihr zuweilen sogar sorgloses Operieren ebenfalls nicht. "Allerdings muss ich darauf verweisen, dass nach Lauks Ausfall im Mittelfeld, nun auch Brillat nicht mit von der Partie sein konnte, wir probieren mussten und daraus Missverständnisse und Fehlpässe resultierten. Mit Jüngling war ich zufrieden. Sträßer sahen wir schon besser. Trotz des für mich unbefriedigenden Ergebnisses, weil wir in der Anfangsphase und in der Schlussphase zu viele Chancen ausließen, glaube ich dennoch an unsere Chance im Rückspiel."
Servettes Präsident Cohannier strahlt am Ende und ist sich sicher: “Eine sehr disziplinierte Vorstellung meiner Mannschaft. Das dürfte für das Viertelfinale reichen.”
RÜCKSPIEL:
Genfs Fußball-Anhang schwebte in großen Träumen. Das 1:2 von Berlin hatte sie geweckt. Und auch die Servette-Spieler taten in ihren Presse-Äußerungen alles, die Erwartungen zu schüren. Gewiß, Respekt war da vor dem BFC, den Startminuten von Berlin. Aber man wusste auch um die eigenen Stärken. Gearde im "Stade des Charmilles", wo jeder Schweizer National-Ligaklub mit der "heißen Atmosphäre" als "12. Mann" für Servette rechnet, erst recht natürlich jeder internationale Gast. Bislang mußten Cardiff und Bilbao, Saloniki und Nancy, Beveren und Düsseldorf das erfahren. Bis auf letztere alle mit Niederlagen bedacht.
Was den BFC erwartete, deutete Trainer Pazmandy an: "Das Düsseldorf-Spiel ist uns Warnung. Da kassierten wir in der 3. Minute ein gegentor, stürmten danach nur noch, aber einzig das remis gelang. Das passiert nicht noch einmal." Der Trainer schürte die Erfolgserwartungen munter mit, sicherlich auch unter dem Blickwinkel der Zuschauerwerbung. "In der Abwehr scheinen mir die Berliner doch verwundbar. Da stehen einige Spieler drin, die noch sehr jung sind und denen es an der nötigen Routine fehlt. Und im Angriff dürfte unser Gegner das Fehlen von Flügel-Sprinter Riediger doch spüre."
Aber der BFC, gewiß nicht beeindruckt durch den kurzfristigen und bitteren Ausfall seines besten Stürmers, verriet gerade in dieser komplizierten Situation seine gewachsene moralische und sportiche Reife. “Es wird schwer, aber wir werden uns durchbeißen”, sagte uns Wolf Rüdiger Netz. Und schließlich Martin Skaba: “Wir müssen nicht nur ein frühes Tor verhindern, sondern möglichst auch eins vorlegen.”  
Ergänzt durch eine beispielhafte Einsatzfreude, taktischer Disziplin gelang unserem Meister, was noch keiner der EC-Gäste bislang in Genf schaffte: Den 14fachen Meister der Schweiz an den Abgrund einer Niederlage zu bringen! Trainer Bogs stellt den beweglichen Jüngling an Servettes gefürchteten Italiener Cucinotta, Noack orientiert sich erneut auf Barberis. Beide erfüllen ihre Aufgabe zufriedenstellend. Aber Noack steigerte sich, tat tat auch manches für den Angriff (Flanke zum gefährlichen Kopfball für Netz  - 38.), und schirmte so den Gefahrenherd noch am besten ab. Cucinotta wurde gegen Jüngling mehr und mehr zum zweiten Sieger gestempelt. Ahnlich erging es Andrey, dem btillanten Linksbeiner, der für Präzisonspässe gerühmt wird, gegen Brillat.
Nationaltrainer Leon Walker muss eingestehen, dass der BFC klüger, clever, reifer als Servette wirkte. Jeweils nach Freistößen erzielte Brillat und Terletzki eine beruhigende 2:0-Führung. 
Von "kosmetischer Korrektur des Resultats" schrieb Tribune la Martin, als im Schlußgang durch Köpfbälle von Hamberg und Barberis noch ein kaum mehr erwartetes 2:2 gelang. 
So resümierte der Tagesanzeiger: - Den Genfern fehlte Variantenreichtum, überraschende Spielverlagerungen und Kreuzpässe in den freien Raum, nur so hätte die homogene Mannschaft des BFC vielleicht in Schwierigkeiten gebracht werden können.
 
aus der FUWO und diversen Büchern
Torhüter Engel von Servette Genf, Netz wartet auf die Flanke