HINSPIEL:
Im
Berliner Jahn-Sportpark sind die 25 000 begeistert, ein solch
bedeutendes Spiel kann nicht besser beginnen: Nach zehn
Minuten 2:0! Da liegt es nahe, seinen Gefühlen freien Lauf zu
lassen, in der sichtlich Verblüffung des Kontrahenten zu
schweigen. Kaum war nämlich nach Troppas Finten, die
Rechtsverteidiger Valentini versetzten, Pelkas Tor-Kopfball platziert
im Netz gelandet, da spritzte Netz in einen von
Tormann Engel mühevoll abgewehrten Terletzki-Freistoßball.
Noch ehe der Beifall verklungen war, setze ein Anhänger
unseres Meisters seine mitgebrachte Trompete an die Lippen -
Signal zu Attacke!
Es schien, als würde der BFC hartnäckig dranbleiben. Ein
Musterpaß des wiederum sehr einsatzvoll spielenden, mit
Bizzini einen Verteidiger-Fuchs gegen sich habenden Riediger
erreichte den in die Spitze stürmenden Noack. Dessen
Alleingan, etwas zu sehr nach rechts verlagert, endete mit
einem Schuß, den Engel parierte. Eine Großchance, das 3:0,
war vergeben. Zweimal brachte sich dann noch Netz ins
Gespräch, als er Engel zur Parade zwang, und als er beim
Dribbling im Strafraum von Valentini strafstoßverdächtig zu
Fall gebracht wurde.
Dennoch war unübersehbar: Der BFC-Ansturm verebbte
allmählich. Das Signal zur Attacke verstummte viel zu früh,
auch wenn nach dem Anschlusstreffer der Genfer aus dem
Stadtteil Servette die Berliner wieder aufgeweckter in die
Hälfte ihres Gegners stürmten. Die Ursachen sind zunächst
bei unserem Meister selbst zu suchen.
Der pausierende Reinhard
Lauck sah es so: “ Nach dem
2:0 steckten
wir unverständlicherweise zurück. Das Anrucken später noch einmal
zeigte die Diskrepanz, die
Zeit, die dazwischen nutzlos verstrich, sehr deutlich. Im Mittelfeld
fehlte das konsequente Nachsetzen, das Decken der Schweizer
Mittelfeldspieler, über die zu vieles lief.”
Erklären
konnte sich Trainer Jürgen Bogs
das Zurückstecken seiner Elf, ja ihr zuweilen sogar sorgloses
Operieren ebenfalls nicht. "Allerdings
muss ich darauf verweisen, dass nach Lauks Ausfall im
Mittelfeld, nun auch Brillat nicht mit von der Partie sein
konnte, wir probieren mussten und daraus Missverständnisse und Fehlpässe resultierten. Mit Jüngling war ich zufrieden.
Sträßer sahen wir schon besser. Trotz des für mich
unbefriedigenden Ergebnisses, weil wir in der Anfangsphase und
in der Schlussphase zu viele Chancen ausließen, glaube ich
dennoch an unsere Chance im Rückspiel."
Servettes
Präsident Cohannier strahlt am Ende und ist sich
sicher: “Eine sehr disziplinierte Vorstellung
meiner Mannschaft. Das dürfte für das Viertelfinale reichen.”
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RÜCKSPIEL:
Genfs Fußball-Anhang schwebte in großen Träumen. Das 1:2 von
Berlin hatte sie geweckt. Und auch die Servette-Spieler taten
in ihren Presse-Äußerungen alles, die Erwartungen zu
schüren. Gewiß, Respekt war da vor dem BFC, den Startminuten
von Berlin. Aber man wusste auch um die eigenen Stärken.
Gearde im "Stade des Charmilles", wo jeder Schweizer
National-Ligaklub mit der "heißen Atmosphäre" als
"12. Mann" für Servette rechnet, erst recht
natürlich jeder internationale Gast. Bislang mußten Cardiff
und Bilbao, Saloniki und Nancy, Beveren und Düsseldorf das
erfahren. Bis auf letztere alle mit Niederlagen bedacht.
Was den BFC erwartete, deutete Trainer
Pazmandy an: "Das
Düsseldorf-Spiel ist uns Warnung. Da kassierten wir in der 3.
Minute ein gegentor, stürmten danach nur noch, aber einzig
das remis gelang. Das passiert nicht noch einmal." Der
Trainer schürte die Erfolgserwartungen munter mit, sicherlich
auch unter dem Blickwinkel der Zuschauerwerbung. "In
der Abwehr scheinen mir die Berliner doch verwundbar. Da
stehen einige Spieler drin, die noch sehr jung sind und denen
es an der nötigen Routine fehlt. Und im Angriff dürfte unser
Gegner das Fehlen von Flügel-Sprinter Riediger doch
spüre."
Aber der BFC, gewiß nicht beeindruckt durch den kurzfristigen
und bitteren Ausfall seines besten Stürmers, verriet gerade
in dieser komplizierten Situation seine gewachsene moralische
und sportiche Reife. “Es wird
schwer, aber wir werden uns durchbeißen”, sagte uns
Wolf Rüdiger Netz. Und schließlich Martin Skaba:
“Wir müssen nicht nur
ein frühes Tor verhindern, sondern möglichst auch eins vorlegen.”
Ergänzt durch eine beispielhafte Einsatzfreude, taktischer
Disziplin gelang unserem Meister, was noch keiner der
EC-Gäste bislang in Genf schaffte: Den 14fachen Meister der
Schweiz an den Abgrund einer Niederlage zu bringen! Trainer Bogs stellt
den beweglichen Jüngling an Servettes gefürchteten Italiener
Cucinotta, Noack orientiert
sich erneut auf Barberis. Beide erfüllen ihre Aufgabe zufriedenstellend.
Aber Noack steigerte sich, tat tat auch manches für den
Angriff (Flanke zum gefährlichen Kopfball für Netz -
38.), und schirmte so den Gefahrenherd noch am besten ab.
Cucinotta wurde gegen Jüngling mehr und mehr zum zweiten
Sieger gestempelt. Ahnlich erging es Andrey, dem btillanten
Linksbeiner, der für Präzisonspässe gerühmt wird, gegen
Brillat.
Nationaltrainer Leon Walker muss eingestehen, dass der BFC klüger,
clever, reifer als Servette wirkte.
Jeweils nach Freistößen erzielte Brillat und Terletzki eine
beruhigende 2:0-Führung.
Von "kosmetischer
Korrektur des Resultats" schrieb Tribune
la Martin, als im Schlußgang durch Köpfbälle von Hamberg und Barberis
noch ein kaum mehr erwartetes 2:2 gelang.
So resümierte der Tagesanzeiger:
- Den Genfern fehlte Variantenreichtum, überraschende Spielverlagerungen
und Kreuzpässe in den freien Raum, nur so hätte die homogene
Mannschaft des BFC vielleicht
in Schwierigkeiten gebracht werden können.
aus der FUWO und diversen Büchern |
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| Torhüter Engel von
Servette Genf, Netz wartet auf die Flanke |
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