Steglitzer FC Stern 1900 - BFC Dynamo  0:2  (0:0)
Zuschauer: 5.101  Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark
Referee: Wessel (SV Stern Britz 1889)
Tore: 0:1 (56.) Rahmig, 0:2 (66.) Steinborn
Gelbe Karten: Sacli, Ayad (beide SFC Stern) - Neubert (BFC Dynamo)
SFC Stern 1900
Erkan Türkoglu - Tino Kerber, Lars Krell, Ferit Erkul, Mustafa Sacli (ab 80. Dennis Freyer) -
Denis Rüdel (ab 71. Hassan Ayad), Christoph Hampel, Patrick Mattern - Ibrahim El-Asmer,
Nidal Swaidan, Andreas Thurau
Trainer: Rainer Liedtke
BFC Dynamo
Daniel Rothe - Amadeus Wallschläger, Martin Neubert, Gökhan Ahmetcik, Alexander Rahmig -
Nico Paepke (ab 60. Firat Karaduman), David Schimmelpfennig - Kavin Gutsche (ab 75. Emerson da Silva Santos),
Matthias Steinborn, Martin Lange - Nobert Lemcke (ab 81. Stefan Malchow)
Trainer: Heiko Bonan
Der Routinier handelte in guter Absicht. Tino Kerber, 40 Jahre alt und kein bisschen fußballmüde, wollte den Ball einfach nur aus der Gefahrenzone bringen. Doch seine Rettungstat, unter dem Druck des Gegners vielleicht etwas überhastet, schlug fehl. Der Abwehrspieler legte den Ball unfreiwillig für Alexander Rahmig auf. Der Mann vom BFC Dynamo fackelte nicht lange, er verwandelte die Vorlage unhaltbar zum 1:0 für seine Mannschaft. Der Bann war mit diesem Tor gebrochen, bedauerte Kerbel hinterher.
Stern 1900, der krasse Außenseiter, verlor am Ende das Finale um den Berliner Pilsner-Pokal 2011 gegen den Oberligisten BFC Dynamo mit 0:2. Dynamos Kapitän Andreas Wallschläger nahm aus den Händen von BFV-Präsident Bernd Schultz den Pokal in Empfang. Derweil trugen die Verlierer aus Steglitz mit berechtigtem Stolz ihre Silbermedaillen aus dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Sie hatten vor der eindrucksvollen Kulisse von 5100 Zuschauern dem Favoriten unerwartet viel abverlangt. Der Berlin-Ligist trieb den Kontrahenten über weite Phasen gar in die Einfallslosigkeit. Stern 1900 investierte einfach mehr: läuferisch, kämpferisch und auch vom Emotionalen her. Aber es war wie in manchem lange währenden Eheleben: Irgendwann lässt die Leidenschaft nach. Knapp eine Stunde lang hielten die Sterne das Tempo, glichen technische Defizite durch Eifer aus, dann kam das Gegentor und der Glaube, eine Sensation schaffen zu können, schwand dahin.
Sterns scheidender Trainer Rainer Liedtke ärgerte sich nachher gründlich darüber, dass kurz vor dem 0:1 der enorm agile Andreas Thurau die Chance zur Führung versiebte. Da hat er diesen Riesen und kriegt aus drei Metern den Ball nicht rein, haderte Liedtke. Schon vor der Pause war Christoph Hampel, allerdings aus erkannter Abseitsstellung, am Pfosten des Dynamo-Tores gescheitert. Zwei Szenen, die belegen, dass Stern 1900 durchaus seine Feldanteile hatte. Die Abwehr um die Innenverteidiger Kerber und Lars Krell, anfangs noch wacklig, stabilisierte sich schnell, ließ kaum Chancen zu. Im Mittelfeld schuf Nidal Swaidan immer wieder Entlastung, vorne ging Alleinunterhalter Ibrahim El-Asmer keinem noch so rüden Zweikampf aus dem Weg. Die Dynamo-Fans hatten in ihrem Übermut auf der Gegengeraden ein Transparent enthüllt, auf dem stand: "Europa, wir kommen!" Nur ein Relikt aus den Siebzigerjahren? Schon beim letzten Schritt in den DFB-Pokal ließ der BFC Dynamo über weite Strecken die Souveränität vermissen. Trainer Heiko Bonan verwies zwar zu Recht darauf, dass seine Mannschaft in allen Berliner Pokalrunden nur ein Gegentor hatte hinnehmen müssen, aber das Endspiel zeigte auch, warum der Verein in der Oberliga als Siebenter eher enttäuschend abgeschnitten hat. Der Spielaufbau gegen Stern 1900 geriet zu statisch, zu schwerfällig. Die Überraschungsmomente, ein geschicktes Variieren des Tempos fehlten völlig. Die Spieler zeigten sich vielmehr beeindruckt von der Kampfeswucht des Kontrahenten. Erst nach einer knappen Stunde löste sich bei Dynamo die spürbare Verkrampfung. Und nachdem die 1:0-Führung gelungen war, zeigte die Mannschaft die Dominanz, die ihr von Beginn an zugetraut worden war. Das zweite Tor von Matthias Steinborn war eine fast logische Konsequenz. Nach dem Sieg suchte Trainer Bonan nach Erklärungen für den schlappen Beginn seiner Elf. Er meinte: "Favorit zu sein und das dann im Spiel auch umzusetzen, das sind zwei paar Schuhe." Aber mit den beiden Toren hatte der BFC Dynamo dann immerhin noch die richtige Schuhgröße für sich gefunden.
 
aus der Fußball-Woche


 
Türkspor Berlin 1965 - BFC Dynamo  1:4  (0:2)
Zuschauer: 1.888  Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark
Referee: unbekannt
Tore: 0:1 (25.) Gezen, 0:2 (29.) Brestrich, 1:2 (60.) Tozlu, 1:3 (73.) Maek, 1:4 (76.) Brestrich
Gelbe Karten: unbekannt
Türkspor Berlin 1965 (Kader - da die genaue Aufstellung unbekannt ist)
Süleyman Dönmez (TW), Sefer Cevik (TW), Murat Saglar, Emre Yesiltepe, Ayhan Aksu, Tuncay Veremci,
Orhan Perktas, Hasan Erdem, Ercan Tokan, Ben Bawer, Kemel Cerkez, Ekrem Tozlu, Feridun Öner,
Ismail Akar, Ahmed Karakaya, Kubilay Sarikaya, Erkan Tinaz, Özcan Badur, Nevzat Kirtas,
Cüneyt Bilijbilij, Rahmi Duman
Trainer: Ugur Sirman
BFC Dynamo (Kader - da die genaue Aufstellung unbekannt ist)
Daniel Bartel (TW), Matthias Oette (TW), Jörn Lenz, Heiko Brestrich, Mario Kallnik, Mario Meak, Robert Majchrzak,
Kartsen Schmidt, Davor Krznaric, Martino Gatti, Ayhan Gezen, Thomas Petzold, Sven Ohly, Thomas Dahlke,
Marco Höppner, Andrej Sapon, Timo Lesch, Marcel Salomo, Marek Seruga, Abdelhamed Aberkane
Trainer: Nobert Peapke
Nach 90 Minuten rissen die Spieler, Trainer und Präsident Volkmar Wanski die Arme hoch: Geschafft, Paul-Rusch-Pokal gewonnen. In den Gesichtern wich die Anspannung der vergangenen Wochen der Freude und Erleichterung. Mit einer überzeugenden Leistung gelang dem BFC Dynamo erstmals in der Vereinsgeschichte der Pokalsieg. Vor 1.888 Zuschauern im Jahn-Sportpark bezwang der Regionalligist den Außenseiter Berlin Türkspor verdient mit 4:1 und qualifiziert sich somit für die erste Runde des DFB-Pokals im nächsten Jahr. Ayhan Gezen (BFC) köpfte, traf und brachte seine Mannschaft bereits in der 25. Minute in Führung. Vier Minuten später gelang Heiko Brestrich, den die Fans im Chor als «Fußballgott» feierten, durch einen direkt verwandelten Freistoß der Treffer zum 2:0. In dem fairen Spiel keimte nach einer Stunde durch einen im Nachschuß verwandelten Foulelfmeter von Ekrem Tozlu beim Verbandsligisten kurzzeitig wieder Hoffnung auf. Doch das zarte Pflänzchen wurde in der 73. Minute durch ein Tor von Mario Maek zertreten. Noch einen drauf setzte drei Minuten später wieder Spielmacher Heiko Brestrich mit dem Siegestreffer zum Endstand. Der neue Trainer, Klaus Goldbach, sah sich das Spiel von der Tribüne aus an. Anschließend formulierte er seine Ziele: «Ich will mit dem Verein in die dritte Liga kommen.»
Autor unbekannt
 
Als ein friedliches Fußballfest sollte es enden, aber das Finale um den Paul-Rusch-Pokal, dem Berliner Cupwettbewerb, endete mit hässlichen Szenen und Prügeleien. Nach dem hochverdienten 4:1-Sieg des Regionalligisten BFC Dynamo gegen den Verbandsliga-Fünften Türkspor stürmten Hunderte Anhänger des BFC den Rasen des Jahnsportparks. Dabei wurde ein Spieler und der Masseur des türkischen Vereins verletzt, es kam zu Schlägereien mit der Polizei. Erst BFC-Präsident Volkmar Wanski konnte mit einer beruhigenden Ansprache per Stadionmikrofon eine Eskalation der Gewalt verhindern. Wanski entschuldigte sich nach dem Spiel sofort und in aller Form beim Vorsitzenden von Türkspor. Geschäftsführer Ümit Anasal sprach von einer "großen Schande für Berlin" und Manager Safa Polat erklärte: "Es ist ein Unding, dass meine Spieler nicht an der Siegerehrung teilnehmen konnten, weil es zu gefährlich war." Er übte harsche Kritik an den Organisatoren des Berliner Fußballverbandes. Erste Irritationen hatte es gegeben, weil in der Nähe des BFC-Fanblocks ein provozierendes Transparent mit der Aufschrift "Freiheit für Öcalan" hing. Das wurde nach Protesten der Vereinsführung von Türkspor abgenommen. Die bis dahin emotionsgeladene, aber friedliche Atmosphäre kippte erst nach Spielschluss. Das flotte Spiel auch der Außenseiter hatte sich nicht versteckt geriet durch die unschönen Ereignisse später völlig in den Hintergrund. Vor 1 888 Zuschauern hatten Gezen (25.), Brestrich (29.), Maek (73.) und noch einmal der starke Brestrich (75.) für den BFC getroffen. Zwischenzeitlich kam Türkspor durch Tozlu zum 1:2 (61.). Der Sieger BFC wurde noch einmal von Nachwuchsleiter Norbert Paepke betreut. Der neue Trainer, am Dienstag verpflichtet, saß aber bereits auf der Tribüne. Es ist der ehemalige Erfurter Oberligaspieler und Trainer Klaus Goldbach. Der 47jährige erhielt einen Einjahresvertrag mit einer Option.
 
Berliner Zeitung vom 12.05.1999